Die Digitalisierung der Industrie verlangt danach, einen neuen, in der Industrie noch nie beschrittenen Weg einzuschlagen: von der materiellen zur immateriellen Wertschöpfung. Dazu müssen sich die Richtigen zusammentun, um das Nötige zusammen zu tun. Das ist mein Traum. Er ist realisierbar.

Digitalisierung lässt sich nicht einfach kaufen. Sie lässt sich auch nicht einführen oder implementieren wie eine neue Software für die Verwaltung. Immer noch heißt industrielle Wertschöpfung fast ausschließlich Produktverkauf. Dienstleistungen auf Basis industrieller Produkte sind kaum erfunden und spielen eine völlig unbedeutende Rolle. Was für Smartphone und PC längst selbstverständlich ist, ist hier für die meisten nicht einmal zu denken. Weil es das noch nicht gegeben hat, ist es auch schwer vorstellbar.

Wie kommt man zu weniger Produkten, die länger halten und ab und zu ein Update bekommen? Zu bezahlbaren und gern bezahlten Diensten aus einer sicheren Cloud? Diese Fragen sind nicht von einem der vielfach überschätzten Beratungskonzerne zu beantworten. Sie liegen nicht in der Auswahl der richtigen Software für die industriellen Prozesse und Produkte. Auch nicht in der passenden Nutzung der besten KI-Plattformen. All das ist vielmehr ganz zum Schluss die schlichte Auswahl der geeigneten Werkzeuge.

Die Unternehmen haben die Antworten einerseits im eigenen Haus, in den Köpfen ihrer Mitarbeiter, die allesamt viel mehr wissen als nur die richtige Reihenfolge der Handgriffe, für die sie bezahlt werden. Ihr Wissen wird nur meist nicht nachgefragt.

Die Antworten sind manchmal auch in anderen Unternehmen zu finden, von denen man lernen kann. Sie gehören beispielsweise einer anderen Branche an, sind keine direkten Wettbewerber. Oder nicht in dem Fragenkomplex, um den es gerade geht.

Die Antworten können auch aus den Köpfen von Menschen kommen, die Jahrzehnte an Erfahrung haben, die sie gerne beisteuern.

Das schmerzliche Fehlen an Wissen über Wege und Mittel, um ganze Unternehmen zu transformieren, ist vielen bewusst. Ich glaube, dafür kann eine Art Plattform hilfreich sein, auf der sich Unternehmer, Manager, Forscher und Mitarbeiter über die drängenden Themen austauschen und über die sie auch schnell an das fehlende Wissen und die richtigen Experten herankommen können.

Nötig ist eine Interessengemeinschaft, die für alle Mitglieder einen deutlichen Mehrwert bringt. Gegenüber den Verbänden, in denen sie natürlich auch sind; gegenüber den Förderprojekten, die meist nur einem konkreten Ziel dienen; gegenüber Messen und Konferenzen, die einer Branche oder einem Spezialthema gewidmet sind.

Kern der Interessengemeinschaft müssen die Entscheiderinnen und Entscheider, Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer, technischen Leiterinnen und Leiter sein. Denn es geht um das künftige Geschäft und die Art und Weise, wie die Unternehmen insgesamt auf eine neue Schiene gesetzt werden. Es ist ausgezeichnet, wenn sie aus ganz unterschiedlichen Branchen kommen: von den Werkzeugmaschinenherstellern und 3D-Drucker-Anbietern über die Hersteller von Automatisierungskomponenten oder Produktionsanlagen, die Verpackungsindustrie und Nahrungsmittelproduzenten bis hin zu Anlagenbetreibern, Fahrzeugbauern und Chip-Herstellern. Denn das Grundthema der industriellen Digitalisierung ist überall dasselbe: Weg von der materiellen Wertschöpfung und hin zur Wertschöpfung durch vernetzte Dienste auf Basis der Produkte.

Hinzukommen sollten Vertreter von Forschung und Lehre, deren Fachbereiche so breit wie denkbar gestreut sind. Ohne multidisziplinäre Grundlagenforschung wird es keine Lösungen geben.

Schließlich sollten auch die Experten aus der IT-Industrie aller Art vertreten sein. Ihre Software und Technologie wird benötigt, und sie müssen verstehen, was wo am dringendsten ist. Aber der Kreis ist völlig neutral, offen und unabhängig.

Diese Interessengemeinschaft kann sich an die Öffentlichkeit wenden, an die zentralen Verbände und Gewerkschaften, an die Regierung. Sie wird Gehör finden, denn ihr Anliegen betrifft das Herz unserer Gesellschaft.