#13 KW 50: Verschärfte ‚Maßnahmen‘? Mit offenem Handel bis nach Weihnachten?

Ist es so schwer zu verstehen? Sind die Zahlen nicht schon lange deutlich genug? 590 Tote mit oder wegen Corona in den letzten 24 Stunden. Wie viele Menschen müssen pro Tag sterben, damit die Verantwortlichen die Bremse ziehen und nicht nur den Gang rausnehmen? Muss es überall aussehen wie in Sachsen?

Aktuelle Zahlen in SachssenLockdown light nennen sie es seit Anfang November. Seit fünfeinhalb Wochen steigen die Zahlen nicht mehr exponentiell, sondern nur noch etwas langsamer. Und die Parteien von der Union über die SPD bis zu den Grünen und Linken – von den Antidemokraten und Möchtegern-Staatszerstörern in der AFD gar nicht zu reden – alle drucksen sie herum und trauen sich nicht annähernd das zu, was sie im März ausnahmsweise konnten. Schon das war im Vergleich zur Situation in vielen anderen Ländern kein wirklicher Lockdown. Aber immerhin waren nicht nur die Theater zu, sondern auch IKEA und der Baumarkt.

BR schreibt zu den neuen ‚Maßnahmen‘ in Bayern: „Das Haus darf dann nur noch "aus triftigen Gründen" verlassen werden, zum Beispiel für Arbeit, Arztbesuche, Schule, Einkaufen, Sport, Gottesdienste oder Besuche bei einem weiteren Hausstand (bei Einhaltung der Kontaktbeschränkungen). Durch die vielen genannten Gründe dürfte sich für die Menschen damit de facto nur wenig ändern.“

Und damit an den täglichen Zahlen zu Covid-19. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass zufällig zusammengesetzte Gremien in Stadt und Land längst anders entschieden hätten. Schon vor November. Diejenigen, die ohnehin das Virus für eine Erfindung von Bill Gates und Angela Merkel halten, wären da eine so deutliche Minderheit gewesen, dass sie jede Abstimmung verloren hätten.

Stattdessen haben wir nun die Vertreter der Parteien, die jede ‚Maßnahme‘ und auch schon deren Andeutung und Erwägung unter dem Kriterium betrachten: Was bringt was bei den nächsten Wahlen? In der Partei, und mit der Partei in den Gremien und Ministerien? Danach wird entschieden. Eine Rolle spielt vermutlich auch, welche Branche welchen Einfluss geltend machen kann, wenn sie mit Entlassungen droht. Da wird mit Steuergeldern um sich geworfen, um Reisekonzerne und die Lufthansa zu „retten“. Und wenn dann trotzdem 40.000 Mitarbeiter entlassen werden, hat man keinen Einfluss. Denn die Geschenke wurden ohne Bedingungen gemacht.

Es wäre wirklich interessant, zu erfahren, welche Branchenverbände sich im Moment wie oft mit welchen Regierungsvertretern auf welchem Level treffen und was sie dabei mit wem verhandeln. Leider gehört Deutschland hinsichtlich der Lobbys zu den Ländern, die so gut wie keine Transparenz gestatten. Warum nicht? Was gibt es zu verbergen?

SZ am 7.12.Bayerns Ministerpräsident Söder hat sich seit März als der umsichtige, wenn nötig entschlossene Landesvater gegeben. Und jetzt? Jetzt redet er nur noch so. Die angebliche Verschärfung der ‚Maßnahmen‘ in Bayern ist lächerlich. Wenn es nicht so traurig wäre. Offene Geschäfte, damit wir uns noch bis zum Jahresende in Kaufhöfen und Baumärkten anstecken können? Nein, pardon! Natürlich nur, damit das Weihnachtsgeschäft nicht unnötig stark gestört wird.

Das Ergebnis von so viel Rücksicht auf das Geschäft: Die Schulen werden wieder zuerst geschlossen, in den Kaufhäusern dürfen wir uns drängeln. Selbst die Leopoldina traut sich nicht, das Weihnachtsgeschäft in Frage zu stellen. Müssen Boykottaufrufe aus der Bevölkerung kommen, damit die Herrschaften sich bewegen? Bis zum 5. oder 10. Januar soll alles offen bleiben. Wahrscheinlich, damit die zu viel und zu schlecht ausgesuchten Weihnachtsgeschenke auch noch schnell wieder umgetauscht werden können. In Indien ist die Kuh heilig. Bei uns der Handel.

Aus dem Bekanntenkreis hört man Geschichten, die darauf hindeuten, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Gesundheitsämtern einerseits offenbar überfordert sind, andererseits völlig orientierungslos hier so und dort anders entscheiden. Bekannte eines positiv Getesteten müssen trotz eigenen Negativtests 14 Tage in Quarantäne. Aber bei BMW müssen Auszubildende ohne Test weiter in den Betrieb, obwohl sich einer von ihnen infiziert hat. Eine Nachhilfelehrerin hat sich bei einem Schüler trotz Abstand und Plexiglas angesteckt. Aber ihre anderen Schüler bekommen keinen Test, weil ja mit Plexiglas und Abstand bei der Nachhilfelehrerin alles hygienetechnisch bestens sei.

Angst ist kein guter Ratgeber. Aber Verwirrung ist in dieser Pandemie noch schlimmer. Man traut sich kaum noch auf die anstehende nächste Ministerpräsidentenversammlung zu hoffen. Hat die Kanzlerin inzwischen ihre Umsicht abgelegt und resigniert vor einer Runde von Berufspolitikern, die bis zum letzten Moment vor der Wirtschaft Kotau machen und die Kliniken in den Kollaps treiben?

Bleibt zu Hause, liebe Leserinnen und Leser. Lasst Weihnachten dieses Jahr – so weit möglich und machbar – Weihnachten sein. Und Silvester Silvester. Trefft Euch nicht mit bis zu zehn Menschen plus Kinder! Nehmt zur Kenntnis, dass das Virus gefährlich ist und sich noch mehr über die offenen Geschäfte freut als die Aktionäre der Ladenketten und dahinter stehenden Konzerne und ihre Verbände. Und denkt daran, dass sich die Beschäftigten in diesem Handel der verrückten Situation und den Menschenmassen jeden Tag von früh bis spät aussetzen müssen.

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